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Stressige Einschlafbegleitung, wenn Besuch da ist

Elenas Frage: "Das Einschlafbegleiten von Tim (1 Jahr alt) finde ich eigentlich sehr schön und es klappt auch sehr gut. Ich lege mich mit ihm ins Elternbett und stille ihn. Meistens dauert es eine halbe Stunde, bis er endlich eingeschlafen ist, aber für mich ist das jeweils ein ruhiger Moment, den ich geniesse, da auch ich nach einem hektischen Tag herunterfahren kann. Wenn er eingeschlafen ist, stehe ich in der Regel nochmals auf, um etwas zu erledigen oder mit meinem Mann Zeit im Wohnzimmer zu verbringen.
Was mich aber total stresst, ist, wenn wir Besuch haben und ich dann so lange wegbleibe, weil ich Tim ja in den Schlaf begleiten muss. Ich habe dann immer den Eindruck, die anderen seien irritiert, weil wir Tim nicht einfach hinlegen und alleine in den Schlaf finden lassen können. Meistens dauert es genau an diesen Abenden besonders lange, bis Tim endlich schläft und ab und zu höre ich abschätzige Bemerkungen von unserem Besuch, die mir das Gefühl vermitteln, es total falsch zu machen. Mache ich denn etwas falsch?"

Sibylles Antwort: Elena macht überhaupt nichts falsch! Viele Stillkinder schlafen mit einem Jahr noch sehr gerne an der Brust ein. Es gibt überhaupt keinen Grund, dies zu verändern, wenn es gut klappt und für alle stimmig ist – was bei Elena und Tim ja beides der Fall ist (mehr Infos zum Einschlafstillen siehe Still-Lexikon). Dass dieser Zustand, der im Alltag nicht störend ist, auf einmal zum Problem wird, wenn Besuch da ist, ist verständlich. Aus Sicht von Tim ist aber genau in dem Moment nicht zu erwarten, dass er sich einfach hinlegen lässt oder dass er dann besonders schnell einschläft. Er möchte natürlich genauso einschlafen wie immer und tut sich an dem Abend vermutlich schwerer als sonst, loszulassen, da er vielleicht noch gerne bei den anderen geblieben wäre oder da er Elenas Anspannung spürt. Kleine Kinder benötigen oft dann besonders lange mit Einschlafen, wenn die Begleitperson ungeduldig darauf wartet. Das Kind spürt deren Anspannung und kann diese nicht anders deuten, als dass es eine Gefahr geben muss. Also bleibt es besser wachsam, da ja jeden Moment etwas passieren könnte.

Welche Möglichkeiten hat Elena, ihre unangenehme Situation (oder ihre Einstellung dazu) zu verändern?

1.) Vielleicht muss sie Tim ja gar nicht ins Bett bringen und er schläft im Arm oder an der Brust in Gegenwart des Besuchs ein. Wenn Elena nicht gerne vor den Augen der anderen stillt, kann sie sich etwas abseits in einen abgewandten Sessel setzen und den Gesprächen der anderen trotzdem noch folgen.





Foto: www.pexels.com

2.) Wenn Tim in Gegenwart der anderen nicht zur Ruhe kommt, dann darf Elena auf jeden Fall warten, bis er wirklich müde ist, auch wenn das an diesem Abend halt etwas später wird. Wenn sie sich dann mit ihm ins Schlafzimmer zurückgezogen hat, ist es wichtig, dass sie sich auf ihre eigenen Emotionen fokussiert. Indem sie ruhig und tief atmet, kann sie sich entspannen und vermittelt Tim nonverbal: «Es ist alles gut! Du kannst loslassen – ich bin da!» Elena muss sich nicht innerlich unter Druck, dass es gerade heute besonders schnell gehen soll, sondern rechnet besser im Vornherein damit, dass es heute eventuell länger dauern wird.

3.) Wenn es für Elena sehr wichtig ist, bei ihrem Besuch bleiben zu können, könnte an diesem Abend auch der Papa die Einschlafbegleitung übernehmen. Wenn er noch kein vertrauter Einschlafbegleiter für Tim ist, könnte das allerdings schwierig werden. Je öfter er diese Aufgabe übernimmt (nicht nur, wenn Besuch da ist), desto besser klappt das sicher. Eventuell akzeptiert Tim als Alternative gut, wenn Papa ihn im Tragetuch (bei einem kurzen Spaziergang) in den Schlaf finden lässt.

4.) Die Situation hat jedoch auch mit Elenas Selbstbewusstsein als Mutter zu tun: Die Frage ist ja, weshalb sie sich durch den Besuch so verunsichern lässt. Es könnte sein, dass dieser gar kein Problem damit hat und sie sich unnötig unter Druck setzt. Am besten spricht sie die Situation an, in dem sie selbstbewusst sagt: "Tim kann am besten einschlafen, wenn ich bei ihm bin und deshalb werde ich Euch nun einen Moment alleine lassen. Ihr könnt ja in der Zwischenzeit vielleicht schon mal (...). Wenn ich zurück bin, essen wir den Nachtisch. Komm Tim, wir sagen Gute Nacht!" Vielleicht sagt der Besuch dann: "Oh, das kennen wir – bei unseren Kindern war das genauso. Stress Dich nicht – wir warten hier auf Dich!" In diesem Fall kann sie Tim ganz entspannt in den Schlaf stillen und muss nicht darüber spekulieren, was die anderen vielleicht denken. Wenn dann doch ein abschätziger Kommentar kommt, könnte sie sagen: "Ich wäre froh, wenn Ihr akzeptiert, dass wir so mit Tim umgehen, wie wir es für richtig halten. Wir waren in einer Schlafberatung und haben uns ausgiebig informiert. Wir finden diesen Weg sowohl für Tim als auch für uns stimmig." Oftmals werden junge Eltern vom Umfeld so lange verunsichert, bis sie selbst innerlich Klar- und Sicherheit gewonnen haben, wie sie es machen wollen. Eltern, die von etwas überzeugt sind, strahlen dies auch aus und werden viel weniger zur Zielscheibe von Kritik oder Verbesserungsvorschlägen.

Viele solcher Dilemmas entstehen dadurch, dass wir zwei Dinge gleichzeitig wollen. Elena möchte Tim so in den Schlaf begleiten, wie er es noch braucht, gleichzeitig möchte sie in den Augen des Besuchs "kompetent" dastehen und vorweisen können, dass ihr Kind problemlos und alleine einschläft. Solche Dilemmas lösen sich automatisch, wenn wir einen der beiden Wünsche loslassen. Entweder kann Elena Tim ab sofort beibringen, ohne sie einzuschlafen, damit sie – wenn Besuch da ist – der gesellschaftlichen Erwartung entspricht oder aber sie übernimmt nicht länger die Verantwortung dafür, was die anderen denken und macht es (selbstbewusst) auf ihre Weise. Da aus meiner Sicht nur diejenigen Eltern wirklich entspannt und glücklich unterwegs sind, die einen individuell stimmigen Weg finden, würde ich persönlich zu Variante 2 tendieren.

©Sibylle Lüpold

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Wir kommunizieren auch im Schlaf

"Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren." Dieser Satz stammt von Paul Watzlawick, dem berühmten Kommunikationsphilosophen. Das heisst, wir kommunizieren ständig, auch wenn wir gerade gar nicht mit jemandem sprechen. Nehmen wir an, wir sitzen in einem Wartezimmer zusammen mit einer uns fremden Person. Diese sitzt ein paar Meter von uns entfernt und wir beide lesen etwas. Obschon wir uns nicht ansehen und schon gar nicht miteinander reden, sind wir im Austausch. Wir nehmen im Augenwinkel wahr, was der andere gerade tut, hören seine Geräusche, nehmen seinen Geruch wahr etc... All das gibt uns Informationen über unser Gegenüber und hat Einfluss auf unser Verhalten, das wiederum genauso wahrgenommen wird. Auch ohne Worte stehen wir jederzeit im Austausch mit unseren Mitmenschen - ob wir wollen oder nicht. Watzlawick hat mit seiner Theorie unser Verständnis über Kommunikation radikal und nachhaltig verändert.

Das heißt konsequenterweise, dass wir sogar im Schlaf miteinander kommunizieren. Selbstverständlich nonverbal, was aber sowieso um die 80% der gesamten Kommunikation ausmacht; nur 20% (oder weniger) sind verbale Verständigung. Wenn zwei schlafende Menschen nachts nebeneinander liegen und scheinbar nichts tun, kommunizieren sie trotzdem auf subtile Weise miteinander.





Foto: www.pexels.com

Während wir schlafen, ist unser Gehirn nämlich sehr aktiv. Ausser im Tiefschlaf nehmen wir via Sinnesorgane auch schlafend Informationen aus unserer Umgebung auf: Wir fühlen die Schlaffläche, die Decke, die Temperatur, wir hören Geräusche und nehmen bei jedem Atemzug den Geruch um uns herum wahr. Hören wir plötzlich einen ungewohnten Lärm oder fühlen wir, dass die Matratze nass ist, werden wir wach.
Stellen wir uns vor, wir schlafen in einem grossen Raum auf nebeneinander liegenden Matten neben unbekannten Menschen: Die ersten paar Nächte würden wir nicht sehr tief schlafen, da die ungewohnten Geräusche, Bewegungen und Gerüche uns irritieren.
Mit der Zeit gewöhnen sich Menschen an neue "Bettgenossen" und werden in der Regel nicht mehr wach, wenn der andere sich bewegt oder laut atmet.

Neuere Forschung weist darauf hin, dass man mit schlafenden Menschen sogar verbal kommunizieren kann. So konnten schlafende Testpersonen auf sprachliche Stimuli von aussen korrekt antworten. Französische Neurowissenschaftler luden 21 gesunde Probanden in ein Schlaflabor ein. Bevor sie schlafen gingen, machten die Versuchsleiter mit ihnen folgende Übung: Sie sagten ihnen Wörter vor, teils echte und bekannte, teils erfundene und sinnlose. Nach den echten mussten die Probanden dreimal kurz lächeln, nach den erfundenen dreimal kurz die Stirn runzeln. Nun wiederholte man das Ganze, während die Testpersonen schliefen: Einige antworteten auch im Schlaf mit der korrekten Mimik. Da die Probanden mehrmals lächelten und die Stirn runzelten, konnte es sich nicht um zufällige Zuckungen handeln. Auch dass sie wach waren, konnte anhand der elektrischen Hirnaktivität, der Herzfrequenz und des Muskeltonus klar ausgeschlossen werden.
Schlafende sind also keineswegs "bewusstlos" und von der Aussenwelt abgeschirmt. Wir sind sogar in der Lage, im Schlaf Botschaften zu empfangen und zu senden. Diese Erkenntnis ist in Bezug auf das Verständnis von Schlaf und Bewusstsein revolutionär.
Auch in anderen Studien wurde dieses Thema untersucht. Wissenschaftler aus Osnabrück liessen schlafende Testpersonen sogar Matheaufgaben lösen. Die sogenannte Methode des "Interactive Dreaming", also der Austausch zwischen einer träumenden und einer wachen Person, ebnet als vielversprechender Ansatz den Weg für weitere Forschung.

Für uns von 1001kindernacht® bedeuten diese Erkenntnisse vor allem eines: Beziehung findet auch nachts und im Schlaf statt. Es macht einen Unterschied, ob wir nur den Tag oder auch die Nachtstunden miteinander verbringen und im Austausch sind. Für die kindliche Entwicklung ist die Verständigung, die sogar im Schlaf mit den Eltern stattfinden kann und dem Kind vermittelt: "Wir sind da – Du bist in Sicherheit!" besonders in den ersten Jahren von grosser Bedeutung.

©Sibylle Lüpold

Quellen:

Mehr schlafen im Winter?

Dass Menschen im Winter eine halbe bis eine ganze Stunde mehr Schlaf brauchen, ist bekannt. Die vermehrte Dunkelheit führt zu einer erhöhten Melatoninproduktion. Morgens dauert es immer länger, bis es hell wird, abends wird es früher dunkel. Das fehlende Tageslicht hat einen Einfluss auf unseren zirkadianen Rhythmus und somit auf unseren gesamten Organismus. Wir sind müder als in den Sommermonaten und auch die Stimmung fällt bei manchen auf den Tiefpunkt. Früher schlafen zu gehen und dadurch auch länger zu schlafen, ist eine kluge Entscheidung, zumal im Schlaf auch das Immunsystem auf Hochtouren läuft. Da wir im Winter schneller krank werden, gilt der Spruch "Schlaf ist die beste Medizin" hier ganz besonders.
Nun ist es aber gerade bei Eltern kleiner Kinder so, dass sie ja noch so gerne mehr schlafen würden, jedoch Nacht für Nacht geweckt werden und deshalb oft unter Schlafmangel leiden.






Foto: www.pexels.com

Was kann helfen, damit alle Beteiligten den im Winterhalbjahr nötigen zusätzlichen Schlaf bekommen?

1. Am Vormittag (bei jedem Wetter) nach draussen gehen und soviel Tageslicht und frische Luft wie möglich tanken. Dies wirkt sich positiv auf unsere Stimmung und auf den Schlaf nachts aus.

2. Wenn es nicht möglich ist, nach draussen zu gehen, dann ist es wichtig, dass die Kinder sich in-door viel bewegen können. Idee: Im Wohnzimmer eine kleine Turnhalle einrichten, in der die Kinder klettern und hüpfen können.

3. Eine ausgewogene, naturbelassene und vitaminreiche Ernährung ist ganz besonders auch im Winter von grosser Bedeutung. Das Abendessen sollte nicht zu üppig sein und schwer im Magen liegen. Im Winter wird gerne etwas Süsses genascht. Dieses sollte den Kindern nicht abends vor dem Zubettgehen gegeben werden, da der Zucker aktiv macht.

4. Weil es draussen dunkel ist, müssen wir unsere Wohnungen vermehrt beleuchten. Nach dem Abendessen kann es hilfreich sein, bewusst helle (Blau)Lichtquellen zu reduzieren (die Badezimmerlampe ist oftmals sehr hell), um die Melatoninausschüttung und das Einschlafen des Kindes zu
unterstützen.

5. Auch wenn es noch so viel zu tun gäbe, nachdem das Kind endlich
eingeschlafen ist, oder die Eltern sich auf eine Netflix-Serie freuen: Zumindest ab und zu früh zu Bett gehen und die erste Nachthälfte zum Schlafen zu nutzen, ist im Winter von grossem Wert. Die meisten kleinen Kinder werden nämlich erst in der zweiten Nachthälfte vermehrt wach und schlafen Anfang nachts ein paar Stunden am Stück durch. Da wir in der ersten Nachthälfte mehr Tiefschlafanteile haben, die für die Erholung besonders zentral sind, ist der Spruch "Der Schlaf vor Mitternacht ist wichtiger" durchaus wahr. Im Tiefschlaf werden nämlich nicht nur Lernschritte abgespeichert, sondern auch immunologische Informationen über Krankheitserreger. Zudem werden Wachstumshormone, die für Reparatur- und Heilungsprozesse notwendig sind, ausgeschüttet.

6. Wenn die Nächte sehr anstrengend sind, lässt sich dies im Winter eventuell durch einen kurzen Mittagsschlaf ausgleichen. Viele Erwachsene sind sich nicht mehr gewohnt, tagsüber zu schlafen. Mit ein bisschen Routine lässt sich das aber wieder erlernen. Bereits zwanzig Minuten Schlummern kann die Lebensgeister erneut wecken.

©Sibylle Lüpold