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"Elternschule" - der Film

Am 3. Juli 2019 wurde der umstrittene Film "Elternschule", der die Erziehungsmethoden der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen beleuchtet, auf ARD ausgestrahlt.

 

Der Film beginnt mit Bildern weinender und verzweifelter Kinder. Er vermittelt von Anfang an den Eindruck, dass es eine unglaublich anstrengende und nervtötende Sache ist, Kinder zu haben. Und so erklärt der Leiter der Klinik, Dietmar Langer, auch gleich zu Beginn, wie wichtig es ist, dass Eltern Grenzen setzen, um dem unersättlichen Verhalten ihrer Kinder (die angeblich bereits im Säuglingsalter strategisch überlegen und sehr manipulativ sind) Einhalt zu gebieten. 

 

Szene: Ein kleines Kind wird bewusst einer Stresssituationen ausgesetzt, worauf es mit seinem natürlichen Bindungsverhalten reagiert, d.h. dem Versuch, zu seiner Bindungsperson zu gelangen und von dieser beruhigt zu werden. Die Mutter darf ihr Kind aber nicht zu sich nehmen, sondern muss in einiger Distanz auf einem Stuhl sitzen. Und dann das Schlimmste: Das gesunde kindliche Verhalten wird als "Regulationsstörung" definiert - Mutter und Kind bleiben massiv verunsichert zurück.

 

Der Film vermittelt die Idee, dass Kinder als kleine Monster auf die Welt kommen und Eltern ohne "professionelle" Anleitung gar nicht in der Lage sind, mit ihnen zurecht zu kommen. Zugegeben: Die Familien im Film haben teilweise massive Bindungsstörungen und brauchen ganz bestimmt Hilfe. Anstatt die Probleme jedoch auf zwischenmenschlicher Ebene, durch mehr Nähe und liebevolle, bindungsstärkende Kommunikation anzugehen, werden die Eltern dazu angehalten, noch mehr auf Distanz zu gehen und sich ihrem Kind gegenüber auf eine Weise zu verhalten, die das wacklige Vertrauensgerüst zusätzlich ins Wanken bringt. 

 

Das einzig Positive, was ich an dem Gelsenkirchner Konzept erkennen kann, ist die Anleitung zur Verlässlichkeit. Eltern, die völlig unberechenbar mal so und mal so reagieren, sind für ein Kind nicht vorhersehbar und können es in seinem Versuch, die Umwelt zu erfassen, verunsichern. In dem Fall ist aber der "konsequent liebevolle" Weg dem "konsequent lieblosen" Weg eindeutig vorzuziehen.

 

Den Film anzuschauen war für mich höchst irritierend und es tat weh mit anzusehen, wie sich komplett hilflose, sich selbst überlassene Kinder die Seele aus dem Leib schreien, während ihre Bezugspersonen völlig reglos und mit abgelöschten Gesichtern daneben sitzen (müssen), scheinbar ohne jede Empathie und Feinfühligkeit. 

Kinder, die als fühlende Wesen wahrgenommen und in ihrem Bedürfnis nach Bindung, Verständnis und Zuwendung erkannt werden, verhalten sich zunehmend sozial und kooperativ - da sind solche Hardcore-Methoden gar nicht nötig. So bleibe ich mit dem Gefühl von Mitleid zurück - für die Kinder, für ihre Eltern und sogar für die Mitarbeiter der Klinik, deren Tätigkeit keinesfalls erfüllend sein kann.

 

Sibylle Lüpold, 4. Juli 2019




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